27.09.2000
Der zarte Keim des Tobens
Von Christine Kindt
Sonthofen Obwohl sie nach eigenem Bekenntnis keine Zigeuner sind, hat die
Begeisterung für deren Musik sie zusammen geführt: den in Sibirien geborenen Vadim Koulitskij, ein
Meister auf der Gitarre, und den aus der Ukraine stammenden Violinisten Oleksandr Klimas, der dem
Partner auf seinem Instrument nicht nachsteht. Jetzt waren die Zwei als Gruppe „Talisman“ in
einem Konzert in der Kulturwerkstatt in Sonthofen zu hören. Exotischer Reiz, viel Gefühl und
mitreißendes Temperament kennzeichnet die durch die verschiedenen, vom jeweiligen Gastland der
Zigeuner im Stil geprägte Musik. Verschmolzen mit Elementen aus der Klassik, dem Jazz, Rock,
Flamenco, aus dem orientalischen und avantgardistischen Stil bietet sie den Musikern die
Möglichkeit, virtuoses Können zu zeigen – was die Beiden genussvoll ausnützen. Entlockt Oleksandr
Klimas seiner oft mit rasendem Tempo gestrichenen Geige durch Zupfen, Hämmern und ähnlichem die
verschiedensten Töne, wechselt auch Vadim Koulitskij rasant die Klangmöglickeiten seines
Instrumentes, das meist den Rhythmus vorgibt. Weisen, die anfangs zart und sehnsüchtig beginnen,
lassen die Beiden in ekstatischem Sturm gipfeln, zarte, süße Melodien steigern sich zu wildem
Toben. Die Lieder sind oft von Beiden selbst geschrieben oder für ihre Instrumente selbst
arrangiert. Bekannte Titel wie „Schwarze Augen“ ode der Ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms
sind eher selten. Ihre musikalische Reise beginnt in Russland, geht über Ungarn und Indien nach
Spanien. Die Geschichte eines traurigen Pferdes wird in stampfendem Rhythmus, mit quietschenden,
heulenden Tönen erzählt, eine Improvisation über einen „Vogel im Regen“ imitiert Windesrauschen
und liebliches, hohes Vogelzwitschern. Zu Gast bei Sean Connery Ein „Flamenco“ lässt spanisches
Temperament mit dem der Zigeuner verschmelzen und führt mit von der Gitarre imitierten
Castagnetten und feuriger Violine zu atemberaubenden Rhythmen. Der „Tschardasch Monti“ beginnt
mit einem gekonnten Violinsolo, das wie eine Kadenz mit brillanten Passagen aufwartet, um dann in
einem koketten Zwiegespräch mit überraschenden Zwischentönen weiter zu führen. Orientalischen
Zauber entfaltet eine Improvisation, die Elemente des Raga zeigt und in der man die perlenden Töne
der Sitar zu hören glaubt. Vadim Koulitskij hat auf dem Musikkolleg und auf der Musikakademie in
Moskau seine Ausbildung auf der klassischen Gitarre erhalten und bereits mit so bedeutenden
Künstlern wie dem Violinisten Gidon Kremer und dem Sitarspieler Ravi Shankar gearbeitet. Oleksandr
Klimas hat mit sieben Jahren Violine gelernt und seine Fähigkeiten an der Fachschule für Musik in
Kirovograd und am Augsburger Leopold-Mozart-Konservatorium vervollständigt. Erst seit kurzer Zeit
spielen die Zwei zusammen, doch ist ihr Ruf schon bis nach London gedrungen. Sean Connery
engagierte sie kürzli